Schließung der Einrichtung vor einem Jahr am 31.03.2005

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Don Bosco Berlin
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Kommentar

Entscheidungen und schlechte Nachrichten soll man erst einmal überdenken und überschlafen.
Seit der Schließung von Don Bosco Berlin sind 365 Tage (Nächte) vergangen. Und mit jedem Tag mehr wird mir bewusst, dass dieser Vorgang schlicht nur als Skandal bezeichnet werden kann.

Fast täglich werde ich von Menschen angesprochen, die ihren Unmut über die Sparzwänge des Senates äußern und die der Annahme sind, dass dies der Grund für die Schließung war, denn so hatten es die Verantwortlichen der Salesianer in der Presse dargestellt. Ehemalige Bewohner von Don Bosco Berlin sind schon etwas „aufgeklärter“ und können andere Zusammenhänge erkennen.
Tatsache ist aber, dass die pro Kopf Ausgaben in Berlin für Kinder und Jugendhilfe dreimal höher sind als in anderen Bundesländern. Nach immer mehr Geld zu schreien und sich aus der Verantwortung zu ziehen ist der einfachste - in der Arbeit mit jungen und hilfebedürftigen Menschen - unanständigste Weg.
Viele ehemalige Bewohner und Mitarbeiter erinnern sich an die ersten Tage des Don Bosco Werkes in Wannsee. Zu dieser Zeit gab es keinen Pflegesatz. Pater Klinski reiste, ähnlich wie Don Bosco, durch Stadt und Land um seine Vision umzusetzen und „seinen Jungen“ ein neues Zuhause zu schenken. Noch kann ich mich bei einem Spaziergang auf dem Gelände vor seiner Büste verneigen.
Was aber den Skandal eigentlich ausmacht ist die Tatsache, an wen das Gelände veräußert wurde. Obwohl Interessenten für ein „Mehrgenerationen-Dorf“ ernstes Kaufinteresse gezeigt hatten, bekam eine amerikanische Investmentgesellschaft (im Volksmund auch als Heuschrecken bezeichnet) den Zuschlag. Was niemand geglaubt - einige jedoch befürchtet hatten- tritt nun ein. Es wird alles platt gewalzt und für 50 Millionen Euro entstehen neue Eigenheime - „familienfreundlich und preisgünstig!“

Übrigens habe ich noch eine wichtige Gruppe vergessen, die für die Schließung verantwortlich waren: Die teueren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und all die, die immer nur kritisiert haben und sonntags nicht mehr in die Kirche gingen. Letzteres werde ich bald nicht mehr tun können, denn die Kirche wird auch abgerissen.

Klaus Bauer

     
 
   
   

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