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Kommentar
Entscheidungen und schlechte Nachrichten soll man
erst einmal überdenken und überschlafen.
Seit der Schließung von Don Bosco Berlin sind 365
Tage (Nächte) vergangen. Und mit jedem Tag mehr wird
mir bewusst, dass dieser Vorgang schlicht nur als
Skandal bezeichnet werden kann.
Fast täglich werde ich von Menschen angesprochen,
die ihren Unmut über die Sparzwänge des Senates
äußern und die der Annahme sind, dass dies der Grund
für die Schließung war, denn so hatten es die
Verantwortlichen der Salesianer in der Presse
dargestellt. Ehemalige Bewohner von Don Bosco Berlin
sind schon etwas „aufgeklärter“ und können andere
Zusammenhänge erkennen.
Tatsache ist aber, dass die pro Kopf Ausgaben in
Berlin für Kinder und Jugendhilfe dreimal höher sind
als in anderen Bundesländern. Nach immer mehr Geld
zu schreien und sich aus der Verantwortung zu ziehen
ist der einfachste - in der Arbeit mit jungen und
hilfebedürftigen Menschen - unanständigste Weg.
Viele ehemalige Bewohner und Mitarbeiter erinnern
sich an die ersten Tage des Don Bosco Werkes in
Wannsee. Zu dieser Zeit gab es keinen Pflegesatz.
Pater Klinski reiste, ähnlich wie Don Bosco, durch
Stadt und Land um seine Vision umzusetzen und
„seinen Jungen“ ein neues Zuhause zu schenken. Noch
kann ich mich bei einem Spaziergang auf dem Gelände
vor seiner Büste verneigen.
Was aber den Skandal eigentlich ausmacht ist die
Tatsache, an wen das Gelände veräußert wurde. Obwohl
Interessenten für ein „Mehrgenerationen-Dorf“
ernstes Kaufinteresse gezeigt hatten, bekam eine
amerikanische Investmentgesellschaft (im Volksmund
auch als Heuschrecken bezeichnet) den Zuschlag. Was
niemand geglaubt - einige jedoch befürchtet hatten-
tritt nun ein. Es wird alles platt gewalzt und für
50 Millionen Euro entstehen neue Eigenheime -
„familienfreundlich und preisgünstig!“
Übrigens habe ich noch eine wichtige Gruppe
vergessen, die für die Schließung verantwortlich
waren: Die teueren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
und all die, die immer nur kritisiert haben und
sonntags nicht mehr in die Kirche gingen. Letzteres
werde ich bald nicht mehr tun können, denn die
Kirche wird auch abgerissen.
Klaus Bauer
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