| FDB Berlin: |
Liebe Jessie, wenn man heute das
ehemalige Don Bosco Gelände aufsucht, stellt
man sehr schnell fest, dass hier nichts mehr
ist wie es mal war: Nur euch gibt’s immer
noch. Kannst du mal kurz beschreiben, was
sich seit der Schließung alles verändert
hat? |
| Jessie: |
Nun, erst wurde der größte Teil der
Don-Bosco-Gebäude abgerissen und jetzt bauen
sie überall neue. Es ist laut, es ist
staubig, und täglich nach Ende der
Bauarbeiten klettern Neugierige über die
Bauzäune und wandern über das Gelände, um es
sich anzusehen |
| FDB Berlin: |
Was hat sich für euch im Gegensatz zur
früheren Arbeit bei Don Bosco verändert? |
| Jessie: |
Wir hatten öfters stundenlang, manchmal
sogar tagelang keinen Strom, oder kein
Wasser, meist kein Telefon… dreimal wurde
eingebrochen (beim dritten Mal erwischte ich
sie, der Pferdehänger angezündet, das große
Indianertipi abgebrannt…
Seit Beginn unserer Selbständigkeit bauen
wir um, oder neu, oder reparieren
Vorhandenes - soviel hat sich eigentlich gar
nicht geändert |
| FDB Berlin: |
Wie finanziert sich das RTZ Berlin? |
| Jessie: |
Einzig und allein durch die Einnahmen
aus den Therapiestunden und dem Integrativen
Reitunterricht. Wir beziehen keine
Fördergelder, keine öffentliche
Unterstützung, keine Spenden… |
| FDB Berlin: |
Wie schätzt ihr die zukünftige
Entwicklung des RTZ Berlin an diesem
Standort ein? |
| Jessie: |
Ähm tja… nicht so rosig, da wir nach wie
vor keinen Pachtvertrag haben (trotzdem
natürlich brav Pacht bezahlen), und auf die
mündliche Zusage von apellas hin bis Ende
2010 bleiben dürfen; dann wird das Gelände
des RTZ Berlin ebenfalls auf den Markt
gebracht und zum Verkauf angeboten. |
| FDB Berlin: |
Gibt es noch Kinder und Jugendliche aus
Don Bosco Zeiten mit denen ihr heute noch
arbeitet, bzw. die noch bei euch reiten? |
| Jessie: |
Etliche Kinder und Jugendliche kamen
noch eine ganze Weile zu uns, aber
inzwischen sind sie alle zu alt geworden und
müssen sich um andere Dinge kümmern |
| FDB Berlin: |
Gibt es weiterhin Nachfragen nach den
Therapie- und Reitstunden? |
| Jessie: |
Nach wie vor ist die Nachfrage
ungebrochen und die Warteliste lang, und
das, wo wir überhaupt keine Werbung machen -
nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Wir
werden von Ärzten, Schulpsychologen,
Jugendämtern und anderen Therapeuten
empfohlen und es kommen auch viele
Interessenten aus entfernteren Bezirken und
aus Brandenburg zu uns. |
| FDB Berlin: |
Wir kennen euch als engagierte Streiter,
die auch vor politischen Querelen nicht
zurückschrecken. Was habt ihr auf diesem
Gebiet gelernt? |
| Jessie: |
Niemandem ist zu trauen! |
| FDB Berlin: |
Kommen noch Besucher, die nach Don Bosco
Berlin fragen? |
| Jessie: |
Sehr viele, vor allem jetzt, wo das
Wetter wieder schöner wird …. gerne auch
Besucher aus anderen Bundesländern: „Wo ist
denn Pater Minter? Gibt es gar keine
Gästezimmer mehr? “ |
| FDB Berlin: |
Was wünscht ihr euch für die nahe
Zukunft? |
| Jessie: |
Natürlich würden wir sehr gerne für den
Rest unseres Lebens auf diesem Gelände
bleiben und hier weiterarbeiten! |
| FDB Berlin: |
Zum Schluss noch die Gelegenheit für
eigene Gedanken. |
| Jessie: |
Wir halten es immer noch mit dem
Leitsatz von Don Bosco: „Tu Dein Bestes und
Gott tut das Übrige“! |
| FDB Berlin: |
Wir danken euch für das Interview und
hoffen, dass wir auch in Zukunft noch viele
Gelegenheiten zur Zusammenarbeit finden. |
(K. Bauer / A.
Meier)