Interview mit Jessie vom ReitTherapieZentrum

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Dieses Interview wurde im Juni 2008 mit Jessie geführt und im 5. Rundbrief veröffentlicht.

FDB Berlin: Liebe Jessie, wenn man heute das ehemalige Don Bosco Gelände aufsucht, stellt man sehr schnell fest, dass hier nichts mehr ist wie es mal war: Nur euch gibt’s immer noch. Kannst du mal kurz beschreiben, was sich seit der Schließung alles verändert hat?
Jessie: Nun, erst wurde der größte Teil der Don-Bosco-Gebäude abgerissen und jetzt bauen sie überall neue. Es ist laut, es ist staubig, und täglich nach Ende der Bauarbeiten klettern Neugierige über die Bauzäune und wandern über das Gelände, um es sich anzusehen
FDB Berlin: Was hat sich für euch im Gegensatz zur früheren Arbeit bei Don Bosco verändert?
Jessie: Wir hatten öfters stundenlang, manchmal sogar tagelang keinen Strom, oder kein Wasser, meist kein Telefon… dreimal wurde eingebrochen (beim dritten Mal erwischte ich sie, der Pferdehänger angezündet, das große Indianertipi abgebrannt…
Seit Beginn unserer Selbständigkeit bauen wir um, oder neu, oder reparieren Vorhandenes - soviel hat sich eigentlich gar nicht geändert
FDB Berlin: Wie finanziert sich das RTZ Berlin?
Jessie: Einzig und allein durch die Einnahmen aus den Therapiestunden und dem Integrativen Reitunterricht. Wir beziehen keine Fördergelder, keine öffentliche Unterstützung, keine Spenden…
FDB Berlin: Wie schätzt ihr die zukünftige Entwicklung des RTZ Berlin an diesem Standort ein?
Jessie: Ähm tja… nicht so rosig, da wir nach wie vor keinen Pachtvertrag haben (trotzdem natürlich brav Pacht bezahlen), und auf die mündliche Zusage von apellas hin bis Ende 2010 bleiben dürfen; dann wird das Gelände des RTZ Berlin ebenfalls auf den Markt gebracht und zum Verkauf angeboten.
FDB Berlin: Gibt es noch Kinder und Jugendliche aus Don Bosco Zeiten mit denen ihr heute noch arbeitet, bzw. die noch bei euch reiten?
Jessie: Etliche Kinder und Jugendliche kamen noch eine ganze Weile zu uns, aber inzwischen sind sie alle zu alt geworden und müssen sich um andere Dinge kümmern
FDB Berlin: Gibt es weiterhin Nachfragen nach den Therapie- und Reitstunden?
Jessie: Nach wie vor ist die Nachfrage ungebrochen und die Warteliste lang, und das, wo wir überhaupt keine Werbung machen - nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Wir werden von Ärzten, Schulpsychologen, Jugendämtern und anderen Therapeuten empfohlen und es kommen auch viele Interessenten aus entfernteren Bezirken und aus Brandenburg zu uns.
FDB Berlin: Wir kennen euch als engagierte Streiter, die auch vor politischen Querelen nicht zurückschrecken. Was habt ihr auf diesem Gebiet gelernt?
Jessie: Niemandem ist zu trauen!
FDB Berlin: Kommen noch Besucher, die nach Don Bosco Berlin fragen?
Jessie: Sehr viele, vor allem jetzt, wo das Wetter wieder schöner wird …. gerne auch Besucher aus anderen Bundesländern: „Wo ist denn Pater Minter? Gibt es gar keine Gästezimmer mehr? “
FDB Berlin: Was wünscht ihr euch für die nahe Zukunft?
Jessie: Natürlich würden wir sehr gerne für den Rest unseres Lebens auf diesem Gelände bleiben und hier weiterarbeiten!
FDB Berlin: Zum Schluss noch die Gelegenheit für eigene Gedanken.
Jessie: Wir halten es immer noch mit dem Leitsatz von Don Bosco: „Tu Dein Bestes und Gott tut das Übrige“!
FDB Berlin: Wir danken euch für das Interview und hoffen, dass wir auch in Zukunft noch viele Gelegenheiten zur Zusammenarbeit finden.

 (K. Bauer / A. Meier)

 

     
 
   
   

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