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Unter
den vielen Angeboten, die auf Grund der
damaligen unsicheren politischen Lage
West-Berlins gemacht wurden, erschien ein
Grundstück in Wannsee als das Günstigste. Am
04. November 1951 besuchte es P. Klinski zum
ersten Mal. Er traf dort noch auf zwei
amerikanische Offiziere, die mit ihren
Familien auf dem Gelände ihr Quartier
aufgeschlagen hatten. Das Hindernis, in dem
bevorzugten Wohngebiet ein Jugendheim
errichten zu dürfen, wurde nach langen
Verhandlungen beseitigt. Trotz des für die
annähernd 95.000m ungemein günstigen Preises
war die Finanzierung zunächst ein unlösbar
scheinendes Problem. Nachdem aber der
Kaufpreis um 10 Prozent gesenkt worden war,
zeigte sich ein Lösungsweg. Der damalige
Berliner Oberbürgermeister Ernst Reuter war
dabei der ausschlaggebende Helfer.
Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft und
die überzeugende sozialpädagogische
Tätigkeit unserer Mitbrüder in Istanbul
hatten hier durch den ehemaligen Emigranten
Ernst Reuter und seinen Freund Prof. Dr.
Wilbrandt ihre Fernwirkung zugunsten der
Salesianer. Am 20.08.1953 wurde der
Kaufvertrag abgeschlossen.
Eine großzügige Spende und ein Darlehen
hatten den Kauf ermöglicht. Später wurde das
Darlehen durch eine Hypothek abgelöst.
Dennoch waren mit dem Kauf längst nicht alle
Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt. Nachdem
der Erwerb des Geländes bekannt geworden
war, setzte ein Protest der Wannseer Bürger
ein. Das Bezirksamt Zehlendorf stellte sich
aber hinter die Pläne des Ordens.
Die auf dem Grundstück stehenden Häuser
wurden gleich mit Jungen belegt, die in der
bestehenden Gärtnerei und an der
Geländegestaltung arbeiten sollten.
Architekt Werner Klinski erhielt den Auftrag
zur Planung eines der Zeit entsprechenden
Jugendwohnheimes. Trotz der Schwierigkeiten,
die Meinungen und
Wünsche
der verschiedenen Instanzen auf Ordens und
Kommunalebene auf einen Nenner zu bringen
und die benötigten Gelder aufzutreiben,
wurde am 03. Mai 1954 mit den
Schachtarbeiten begonnen, und am 29. Juni
1954 konnte der Grundstein gelegt werden.
Die eigenen Lehrwerkstätten, vor allem die
blühende Tischlerei unter Meister Klinski
und die Schlosserei unter dem ehemaligen
Heimjungen Meister Franz Gregull, und
arbeitslose Jungen erbrachten einen hohen
Prozentsatz an Eigenleistung.
Insgesamt waren es 125 000,- DM. Es wurde
zügig gebaut, und schon am 18. Mai 1955
konnte das Richtfest gefeiert werden. Bei
den Feierlichkeiten wurde daran erinnert,
dass die Salesianer in Berlin in drei
Häusern 350 Jungen betreuten. Der Senator
für Bau- und Wohnungswesen hob hervor, im
Rahmen des Wohnbauprogramms 1955 sei das
Jugendheim in Wannsee, das 250 Jugendlichen
Platz bieten sollte, das bisher größte
Projekt.
Nach Beginn der Sommerferien konnten 70
Jungen bereits einen Vorgeschmack auf das
Leben in der neuen Umgebung gewinnen. Sie
verbrachten ihre Ferien in Zelten auf dem
Gelände.
Für den Herbst 1955 war der Umzug
vorgesehen, er wurde auch in den Ta gen nach
dem 30. Oktober vollzogen, obwohl die
Bauarbeiten wegen eines drei Monate
währenden Putzerstreiks bedeutend verzögert
worden waren. Weil noch keine Einrichtungen
gefertigt oder gekauft werden konnten, wurde
alles Mobiliar von Siemensstadt mitgenommen,
dazu die Maschinen und Geräte der
Werkstätten, Koch- und Waschküche und was
ein Haushalt von etwa 230 Personen alles
zusammengetragen hatte. Die englische
Besatzungstruppe half durch Gestellung von
Transport- wagen aus der Verlegenheit, aber
die Schnelligkeit, mit der alles geschehen
musste, ließ an kriegsgemäße
Heerlagerverlegung erinnern. Trotz des
anfänglichen Durcheinanders, des ständigen
Ausweichens bei den noch laufenden
Bauarbeiten, war es eine rechte Freude, auf
eigenem Grund stück und im eigenen Hause zu
sein und dazu in einer der schönsten
Gegenden von Berlin, die den Generaloberen
der Salesianer bei einer Besichtigung
begeistert ausrufen ließ: „un piccolo
paradiso“!
Aber auch im Paradies musste nach der
Ordnung der Natur mit Wasser gekocht werden,
es blieben somit genug Aufgaben beim
weiteren Ausbau des Hauses und der
Gestaltung des Geländes. Von welcher
Größenordnung die zu bewältigenden Auf gaben
waren, kann man sich vorstellen, wenn man
allein an die gleichzeitige Unterbringung
von über 100 Schülern in den Schulen des
Bezirks Zehlendorf denkt. Das
Bezirksschulamt bekam eine Gänsehaut, weil
alle Klassenfrequenzberechnungen durch diese
Aktion über den Haufen geworfen wurden.
Zum Jahresende 1955 waren bereits 193 Jungen
im neuen Heim in Wannsee.
Neben der ganzen Arbeit wird aber auch Sport
und Spiel nicht vernachlässigt. Eine Ehrung
für das Blasorchester, ja für das ganze
Heim, ist es, dass die Musiker beim
Fußball-Länderspiel Deutschland-England 1956
im Olympiastadion spielen dürfen. Im Mai
wird unter der Assistenz von Patres und
Jungen von den Straßenbauern die Straße vor
dem Neubau als Vollendung des Gesamtprojekts
angelegt.
So kam es, dass alles, was fertig wurde, als
Erfolg der gesamten Heimgemeinschaft
empfunden und mit um so größerer Freude und
Genugtuung genossen wurde. Die Finanzierung
hatte viel Sorgen bereitet und P. Klinski
den Ruf als „größten Bettler von Berlin“
eingebracht, trotzdem aber ging er schon
wieder an die Planung eines Kulturgebäudes
mit Kirche und Mehrzwecksaal. Am 05. Juni
1956 konnte durch Generalvikar Puchowski die
Heimweihe gefeiert und vielen Gästen zum
ersten Mal das neue Werk gezeigt werden.
Am
Ende des Jahres 1956 zählte das Heim 225
Jungen. Zum ersten öffentlichen Auftreten
der Don Bosco-Gemeinschaft in Zehlendorf kam
es anlässlich des Don Bosco-Festes im Jahre
1957 im Auditorium Maximum der Freien
Universität.
Am 08.12.1957 wurde auf durch amerikanische
Pioniere vorbereitetem Gelände der
Grundstein für die Kapelle gelegt. Im
Bauplan ist gleichzeitig ein Mehrzwecksaal
für Kulturpflege und Festveranstaltungen
vorgesehen. Nachdem er die Pläne gesehen
hatte, entschied Bischof Döpfner, das
Gotteshaus solle nicht nur eine
Privatkapelle für das Heim sein, sondern
eine Kirche mit öffentlichem Charakter.
Durch tatkräftigen Einsatz der US Army wurde
unmittelbar nach Ostern im April 1958 der im
Vorjahr bereits angefangene Sportplatz
vollendet.
Seit seinem Bestehen wurde das Heim auch ein
geistiger Mittelpunkt der katholischen
Jugend Berlins. So fand besonders die
Pfadfinderschaft der Diözese einen Ort für
Tagungen und Übungen.
1959 war ein besonderes Jahr, standen doch
eine Reihe von außergewöhnlichen Ereignissen
im Kalender: Kirchweihe, das silberne
Priesterjubiläum von Pater Klinski und
25jähri- ges Arbeitsjubiläum der Salesianer
in Berlin. Am Feste Christi Himmel fahrt,
dem 07. Mai 1959, erfolgte die feierliche
Einweihung des Gotteshauses, das den Namen
Don Boscos trägt. Nach wenigen Wochen traf
sich am 5. Juli erneut eine große Fest-
gemeinde, um das 25jährige Priesterjubiläum
von P. August Klinski zu feiern. Der Chor
der St. Hedwigs Kathedrale unter Prof. Dr.
Karl Forster unterstrich mit seinem Gesang
die Bedeutung dieses Tages. Im August wird
die Don Bosco Kirche mit einer neuen Orgel
ausgestattet, ab September kann sie im
Gottesdienst benutzt werden.
Das 25jährige Arbeitsjubiläum der Salesianer
in Berlin wurde am 27. September 1959
wiederum im Auditorium Maximum der Freien
Universität mit Musik, Theater, Sport und
Gesang gefeiert. Diese Veranstaltung
versammelte die vielen Freunde des Hauses
und die Vertreter der kirchlichen und
staatlichen Behörden und vermittelte einen
Eindruck von der Leistungsfähigkeit auch der
Jungen, die aus dem ungünstigsten häuslichen
Milieu stammten. In diesem Jahr konnte man
auch den Aufbau und die innere Gestaltung
des Heimes als abgeschlossen betrachten. Es
war mit 225 Jungen im Alter zwischen 8 und
21 Jahren belegt. Zunehmend waren es von den
Jugendämtern eingewiesene Jungen, die kein
erziehungsfähiges Elternhaus hatten. Ihnen
musste alles, was ein gutes Elternhaus hätte
geben können, möglich gemacht werden. Wenn
dies auch ein utopisches Ziel ist, und
bleiben wird, so stand es doch immer als
Forderung über allem, was hier zu geschehen
hatte.
Einen knappen Monat später, am 25. Oktober,
konnte auch der Festsaal im Don-Bosco-Heim
seiner Bestim mung übergeben werden.
Nachdem die Bauten und Anlagen mit der Weihe
des Sportgeländes im August 1960 zu einem
Abschluss gekommen waren, war zu Beginn des
Jahres 1961 die Primizfeier eines
Ehemaligen, Adolf Laminski, ein beglückendes
Ereignis.
Im Juli 1961 wird in der Heimkirche ein
Kreuzweg angebracht; vom aus Steinhagen
stammenden Fritz Reuter in Feueremaille
gestaltet.
Ein besonderes Ereignis war im Februar 1963
die Firmung von 37 Jungen durch Kardinal
Bengsch in der Kreuzberger St.
Bonifatius-Kirche. Die Theatergruppe führte
sowohl am Don Bosco-Fest sowie an mehreren
Abenden zusätzlich ihr in langwöchigen
Proben erarbeitetes Stück auf Die
neuerstandene Blaskapelle sorgte für die
angemessene Untermalung. Eine neugeschaffene
Beleuchtungs- und Tonanlage im Saal des Don
Bosco-Heimes ließ alles in hellem Licht
erstrahlen.
Don Bosco sprach gern von der „Familie“ des
Heimes. Sich selbst bezeichnete er als den
Vater, zu dem alle - wie zum leiblichen
Vater - Vertrauen haben könnten.
Folgerichtig sollten daher auch die
Entlassenen in dem Heim - wie in einer
Familie - ein aufnahmebereites Zuhause
haben, wo sie sich zu Familienfesten und zur
Hilfe in Lebensfragen aufgenommen wissen
durften. Die Begleitung auch über die
Heimbetreuung hinaus war ihm somit ein
natürliches Anliegen, das zum integrierenden
und unumgänglichen Bestandteil der
Heimerziehung gehört. Daraus folgernd ist
die Ehemaligen-Bewegung bei den Salesianer
Don Boscos immer gepflegt worden.
Dies kam in einem größeren Treffen im
Februar 1963 zum Ausdruck, anlässlich der
Trauung eines ehemaligen Heimbewohners. Im
März 1963 veranstaltete die DJK Berlin auf
dem Heimgelände und im benachbarten
Waldgebiet einen Waldlauf für alle
männlichen Altersstufen, der vom Berliner
Leichtathletikverband für alle
angeschlossenen Vereine ausgeschrieben
wurde. Trotz winterlicher Verhältnisse und
großer Konkurrenz konnten die Jungen des Don
Bosco Heimes beträchtliche Erfolge erzielen.
Auch im September kam es zu einer mit rund
200 Teilnehmern aus Berliner DJK Vereinen
recht großen sportlichen
Leichtathletikveranstaltung.
Die Entwicklung zur Verjüngung des Heims
machte gute Fortschritte, im mit 215 Jungen
vollbelegten Haus sind 167 Schüler.
Im Herbst war die Zahl der Anmeldungen für
die Aufnahme weiterer Jungen so hoch, dass
elf auf die Warteliste gesetzt werden
mussten.
Ende 1963 wirkten im Haus 13 Mitbrüder. Die
Zahl der Schwestern ist konstant geblieben,
seit 1947 wirken drei Mägde Mariens im Heim.
Weiter arbeiten drei Meister: in der
Schuhmacherei, Tischlerei und Schlosserei.
Fünf männliche und eine weibliche Kraft
stehen als Erzieher bzw. als Praktikantin
zur Verfügung. Die Zahl der weiblichen
Hausangestellten belief sich auf 21.
Nach Vorbereitung in den einzelnen Gruppen
wurde Anfang März ein Ministrantentag
veranstaltet. Sinn und Zweck dieses Tages
war, die Jugendlichen, die zum großen Teil
ohne religiöse Fundierung kommen, zum
vertieften Glaubensieben hinzuführen. Zur
Segensandacht mit Aufnahmefeier der neuen
Ministranten umstellten 74 Messdiener den
Altar. Insgesamt zählte das Don Bosco Heim
106 Ministranten.
Bei der diesjährigen Fronleichnamsprozession
wurden drei Altäre auf dem Grundstück
errichtet. Am 11. Juni empfingen 62 Jungen
des Don Bosco-Heimes in der St. Laurentius
Kirche von Erzbischof Bengsch die heilige
Firmung.
Am 27. 8. besuchte Erzbischof Dr. Alfred
Bengsch zum ersten Mal das Don Bosco-Heim.
Er ließ es nicht bei einer flüchtigen
Begegnung bewenden, sondern verbrachte einen
ganzen Tag mit den Jungen, Erziehern und
Mitbrüdern. Das ZDF brachte bereits am
gleichen Abend einen Bericht über dieses
Ereignis. Durch den Wechsel mehrerer
Mitbrüder kommt es zu Veränderungen im Heim:
So werden nach über 30jähriger Tätigkeit in
Berlin Hermann Späh nach Köln und Direktor
P. Bause nach 17 Jahren Berlin nach Essen
versetzt. Die Musikgruppe des Heims trägt
durch ihre Auftritte zum Gelingen des 80.
Deutschen Katholikentages in Stuttgart bei.
Ganz im Sinne Don Boscos erhielt 1965 das
Augustinusfest, der Namenstag des Direktors,
durch die Teilnahme des Erzbischofs, des
Dompropstes und des Generalvikars eine
besonders festliche Note.
Schon zur Tradition geworden ist der
alljährliche Waldlauf der Berliner DJK. Im
Jahr 1966 betrug die Zahl der Teilnehmer
rund 250. Mitte Juli wurde die Kirche
ausgeräumt und die Arbeiten begannen, den
Altar entsprechend den liturgischen
Vorschriften vorzurücken, so dass in Zukunft
das hl. Opfer den Gläubigen zugewandt
gefeiert werden kann. Während der
Bauarbeiten wird der Gottesdienst im
Theatersaal gehalten.
Kardinal Paul Silva, Salesianer Don Boscos,
der an einer internationalen Caritastagung
in Berlin teilnahm, überraschte das Don
Bosco-Heim im April 1967 mit seinem Besuch.
Zum ersten Mal kamen die Diözesanpriester
West-Berlins - insgesamt 161 an der Zahl -
Mitte April mit dem Erzbischof an der
Spitze, zu einem Priestertag im Don
Bosco-Heim zusammen.
Ein erster Exerzitienkurs im Don Bosco-Heim
für Mitarbeiterinnen lief zufrieden stellend
ab. Zur Primiz des Mitbruders aus
Kalifornien, P. Jerry Dybdal, waren dessen
Eltern und Gäste die ersten, die das fertig
gestellte Gästehaus bewohnen konnten.
Bei so radikalem Wandel, wie ihn das
Menschenbild in den letzten 20 Jahren
erfahren hat, war es folgerichtig, dass auch
die Erziehung des jungen Menschen nicht mehr
in den gewohnten Maßen verlaufen konnte. So
wurde Ende der sechziger Jahre auch hier im
Wannseer Don Bosco-Heim die Überlegung über
die dieser gewandelten Auffassung
entsprechende Funktion des Werkes akut. Das
Ziel musste bleiben: Den jungen Menschen für
das Leben in der Gesellschaft von heute und
morgen nach christlicher Welt- und
Lebensauffassung zu befähigen - durch
Entwicklung all seiner natürlichen
körperlichen und geistigen Anlagen, durch
Gewöhnung an soziale Lebensbereiche und
-formen, durch Einübung in selbständiges und
verantwortungsbewusstes Handeln. Mit den
bisherigen großen Gruppen und der räumlichen
Trennung der Wohnbereiche war dies nicht zu
erreichen. Wenn die Gruppe als Lebensgruppe
und Lernfeld für die Familie funktionieren
soll, dann muss sie überschaubar klein sein
und in abgeschlossener Geborgenheit
ausstrahlender Wohnung leben können. Die
Überlegungen führten zu einer umfangreichen
Umbauplanung und zu dem Entschluss, für zwei
weitere Gruppen ihre Wohnungen neu zu bauen.
Die Planung war 1972 abgeschlossen, mit dem
Bauen konnte man jedoch nach Klärung der
Finanzierungsfragen und aller behördlichen
Genehmigungsverfahren erst im Frühjahr des
Jahres 1974 beginnen.
Am 06.03.1976 brach während der
Umbaumaßnahmen ein Brand im Hauptgebäude
unterhalb der Gruppe 2 im Wirtschaftslager
aus. Er verursachte einen Schaden von
100.000 DM. Trotz aller Aufregung hatte
dieser Vorfall auch positive Auswirkungen
auf die nachfolgenden Baumaßnahmen.
Im bisher bewohnten Bereich werden durch
Umbau insgesamt fünf in sich geschlossene
Gruppenwohnungen entstehen, dazu
Freizeiträume als gruppenübergreifende
Angebote. Zu dem Neubau von zwei
Gruppenwohnungen werden Erzieherwohnungen
gebaut, um dem immer größeren Be darf an
geeigneten angestellten Erziehern durch
Wohnungsangebote entsprechen zu können. Die
Gunst des großen Geländes in so günstiger
Lage zwischen Wald und Wasser ist ausgenützt
durch Sportplätze und Abenteuerspielgelände
und durch einen eigenen Zoo mit vielerlei
Tieren. So steht den Jungen eine Vielfalt
von erziehungsträchtigen Angeboten zur
Verfügung, und es wird, wenn es nicht an Mut
und an der Beweglichkeit und
Aufgeschlossenheit fehlt, immer möglich
sein, die berechtigten Erwartungen der
Jugendlichen zu befriedigen, sie aus der
Gefahrenzone des Hospitalismus, des
gefährlichsten Virus jeder Heimerziehung,
herauszuhalten, und das für sie möglich zu
machen, wozu Anlage und eigenes Wollen sie
befähigen.
Wie dieses Werk im Wannsee so seine
Entwicklungs- und Ausbaufähigkeit immer
erwiesen hat, wurde hingegen das
Dominikus-Savio-Heim im Grunewald allein
durch seine Lage in der engen Nachbarschaft
zu Villen und Hotels schon mehr und mehr in
Frage gestellt und erhielt bei den
Strukturüberlegungen der Provinz einen
ungünstigen Platz. Mit dem Versprechen,
dafür die Seelsorge in einer Pfarrei
West-Berlins übernehmen zu wollen, ging die
Provinzleitung an die Auflösung dieses
Werkes und verkaufte im Jahre 1969
Grundstück und Haus. Die Jungen, die ihres
Alters wegen noch in Heimerziehung bleiben
mussten, konnten in Wannsee übernommen
werden.
Auf Wunsch der Diözese übernahm die Provinz
im gleichen Jahr die Pfarrei St. Nikolaus in
Wittenau, dazu die Seelsorge in der
Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik und den
Religionsunterricht in einem Gymnasium und
einer Grundschule. P. Werner Möller wurde
mit der Leitung beauftragt und ihm P. Erich
Fox als Kaplan und Religionslehrer zur Seite
gestellt. Wie es die Direktive für alle
Salesianischen Werke erfordert, so
versuchten diese Mitbrüder von Anfang an,
eine intensive Jugendarbeit aufzubauen. Die
dazu benötigten Räume richteten sie in
eigener Initiative und mit Hilfe der
Jugendlichen in den Kellerräumen des
Pfarrhauses ein und hatten bald ein
blühendes Jugendleben in einer Art „Offenen
Tür“. Trotz der verhältnismäßig weiten
Entfernung von Wannsee entspann sich eine
rege Verbindung zwischen den beiden zu einer
Kommunität vereinten Werken. Die
seelsorglichen Aushilfen und die
Unterstützung und Besuche bei besonderen
Veranstaltungen ließen die Kontakte zwischen
der Gemeinde und dem Heim wachsen. Der durch
den Personalmangel in der Provinz bedingte
Abzug von P. Fox im August 1973 führte zur
Aufgabe der Religionslehrerstelle am
Gymnasium, zerschlug aber nicht die übrigen
Aktivitäten in der Pfarrei und in der
Jugendarbeit. Herr Pater Möller erhielt in
dem Laienmitbruder Edmund Minhof eine Hilfe
für Sakristei und Haus.
Eine weitere Seelsorgstelle wurde nach
Schließung des Dominikus-Savio-Heimes durch
P. Georg Preuß in Schlachtensee im
St.-Theresien-Stift der Schwestern von der
heiligen Elisabeth übernommen.
Zu einer festen Einrichtung wurde seit 1972
von P. Alois Bause das Ehemaligentreffen
jeweils am Wochenende nach Aschermittwoch.
Zu den einzelnen Treffen kamen viele, selbst
aus Westdeutschland.
Im Zuge der Reduzierungsmaßnahmen, der
Auflösung der Gruppe in der Villa - meist
Volljährige - und der 4. Gruppe und durch
Beginn der Umbaumaßnahmen sank die Frequenz
1972 auf 94 Jungen herab, und es entstand
eine schwierige Finanzsituation, die noch
verstärkt wurde durch den von den
Richtlinien angeordneten Stand an
ausgebildeten Erziehern. Darlehen von
Diözese, Caritasverband und Provinz halfen
aus den Schwierigkeiten. Nach einer
Rückzahlung von Pflegekosten konnten die
Darlehen ausgelöst werden.
Zu den Lehrwerkstätten kam nach Aufgabe der
Schuhmacherei die Malerei hinzu. Nach einer
Renovierung der Villa und Neueinrichtung
einer 5. Gruppe stieg die Belegungsstärke
wieder auf 110.
Am 07.04.1972 erhielten wir durch
Beziehungen des P. Minter das Bauerngehöft
in Bahlen/Dinklage im Oldenburgischen zur
Verfügung gestellt. Das Haus wurde im Laufe
der Jahre mit Hilfe der heimeigenen
Werkstätten des Berliner Hauses zu einem
Ferienhof umgebaut. Heute dient es den
Häusern beider Provinzen, Pfarreien,
Vereinen und Schulen zu „Ferien auf dem
Bauernhof“.
Das Heim wurde zur Hebung des Pflegesatzes,
und weil es immer schon diesen Charakter
besaß, als Erziehungsheim anerkannt. - Für
bestimmte Sachgebiete wurden Fachkräfte
(Musiklehrer, Sportlehrer, Werklehrer)
eingesetzt. Der Kleinzoo entwickelt sich
nach Fertigstellung der Räume gut. Im Jahre
1973 feierte man die Erinnerung an die
Seligsprechung Don Ruas mit dem Don
Bosco-Fest zusammen. Der Theatersaal wurde
„multifunktional“ gemacht und konnte nun mit
Tischen besetzt und zum Tanz und gemütlichen
Zusammensein verwendet werden. Beim Fasching
und beim ersten Ehemaligentreffen am Sonntag
nach dem Fasching machte sich dies wohltuend
bemerkbar.
In den Sommerferien fahren immer alle
Gruppen in Ferienquartiere, die lange Zeit
im voraus geplant sein müssen. Immer mehr
Gruppen aus dem Bundesgebiet kommen zu Be
such, die notdürftig im Saal untergebracht
werden. Hier kommt eine Aufgabe auf das Heim
zu. Schwierigkeiten entstehen durch die
Unterbringung der zu entlassenen Jungen,
weil sie keine Wohnung finden. Es wird eine
Aktion bei Behörden von Stadt und Kirche und
im Fernsehen gestartet und sie hat guten
Erfolg, so dass manchen Jungen geholfen
werden kann.
Das Jahr 1974 war das Jahr der Jubiläen. Das
40jährige Arbeitsjubiläum der Salesianer in
Berlin und das 40jährige Priesterjubiläum
von Pater Klinski, dem Mann der ersten
Stunde in Berlin. Beides zusammen wurde
gefeiert am 8. September in Form eines
vergrößerten Heimfestes mit vielen
Ehrengästen. Sogar unser Herr Generaloberer
Don Ricceri, Don Ter Schure, der Bischof von
Berlin, Kardinal Alfred Bengsch, gaben durch
ihr Erscheinen der Bedeutung der hier
geleisteten Arbeit Ausdruck. Viele deutsche
Mitbrüder mit den bei den Provinzialen
bekundeten ihre Verbundenheit mit dem Heim.
Sogar das Fernsehen brachte einen Auszug von
den Festlichkeiten.
Die Umstrukturierung der Gruppen von
horizontaler Belegung zu vertikaler
familiengerechter machte Fortschritte und
erwies sich als pädagogisch vorteilhaft. Es
wurden mehr und mehr auch weibliche
Erziehungskräfte eingestellt.
Schwierigkeiten, die bundesweit durch
Erwerbslosigkeit Jugendlicher auftraten,
versuchte das Heim zu begegnen, indem man
mehr in ihren Werkstätten aufnahm, dadurch
allerdings auch mehr Ausbilder benötigte.
Auf religiösem Gebiet bleiben die gleichen
Probleme, weil die Jungen erst schrittweise
vorbereitet werden können. Wie Don Bosco
müssen auch die Söhne Don Boscos zunächst
die Natur aufnahmefähig machen, indem sie
die menschlichen Voraussetzungen schaffen,
dass sich die Jungen angenommen und zu Hause
fühlen. An der sonntäglichen Messe für alle
wird festgehalten.
Im Jahre 1975 lief die bauliche Umgestaltung
intensiv, bis Ende des Jahres der Neubau
eingeweiht werden konnte. Nun waren die
Wohnungen für sechs Gruppen à 15 Jungen
fertig, von denen je neun Jungen ein
Einzelzimmer und die übrigen sechs in zwei
Dreibettzimmern untergebracht sind. Jede
Gruppe hat ihren abgeschlossenen
Wohnbereich, mit Schlaf- und Freizeiträumen
reich aus gestattet, und jede mit einer
Küche. Es können hierdurch auch kleinere
Mahlzeiten in den Gruppen selbst
hergerichtet werden, um die
Familiengerechtigkeit zu Fördern. Personell
ist dies durch die Wirkung einer
Gruppenmutter besonders angestrebt, die als
erfahrene Hausfrau die Häuslichkeit pflegen
soll.
Zu Anfang dieses Jahres wurde ein
Ehemaliger, der im Heim die Schuhmacherei
erlernt hatte, in Hildesheim zum Priester
geweiht. Er feierte seine Primiz am Don
Bosco-Fest.
Am Tag der Einweihung der Neubauten am 19.
Oktober feiert man das 20jährige Bestehen
dieser Niederlassung in Wannsee und man
erhält bestätigt, dass man in diesem Zustand
das Heim zum Modellcharakter für
Heimerziehung entwickelt hat.
An baulichen Plänen bestehen noch der Umbau
der Villa, Renovierung der Gärtnerei,
Erweiterung der Schlosserei und ein
Freizeitzentrum. Es werden zudem Pläne
entwickelt für die weitere
Strukturverbesserung - wie Turnhalle,
Gruppenwohnhaus für Besuchergruppen,
Wohnhaus für Angestellte. Viele Kosten
werden ohnedies auf das Heim zukommen durch
Erneuerung der sehr anfällig gewordenen
Heizungen und Isolierung der Fundamente und
Kellerbereiche. All dies wird das Heim in
Zukunft stark fordern, sowohl finanziell als
auch arbeitsmäßig mit seinen Werkstätten. Es
werden vorsorglich Gesellen für Tischlerei
und Schlosserei eingestellt, um bei den
Arbeitsprogrammen nicht die Ausbildung der
Lehrjungen zu vernachlässigen. Eine weitere
Sorge bewegt die Leitung des Heimes wegen
der Arbeitslosigkeit Jugendlicher, wegen des
Fehlens von Ausbildungsplätzen und der
Schwierigkeit für Jungen, die keine
ausreichende Schulbildung nach weisen können
und auch noch nicht motiviert sind für eine
Ausbildung. Eingaben an das Arbeitsamt
führen nach längeren Verhandlungen dazu,
dass man einen förderungsfähigen
Ausbildungsförderungslehrgang plant, der im
September 1976 beginnen und 20 Jungen im
Laufe eines Jahres zur Orientierung und
Erprobung durch 5 Berufsgruppen führen soll:
Eisen-, Holz-, Farbe-Bearbeitung,
Hauswirtschaft und Gärtnerei. Dadurch kann
man dann den am schlechtesten
konditionierten Jungen unseres Heimes helfen
und fehlende Plätze durch Externe - evtl.
aus anderen Heimen des Bezirkes - auffüllen.
Die Jungen sind sinnvoll beschäftigt, können
sich erproben und haben bessere Chancen für
eine Ausbildung. Da dies die Ärmsten der
jetzigen Gesellschaft und auch die
Gefährdetsten sind, glaubt man, ganz dem
Anliegen Don Boscos zu entsprechen, wenn man
sich hier engagiert. Es wird viele Sorgen
und Beunruhigung dadurch geben; man ist sich
aber gewiss, dass ihm diese Aufgabe
zugewachsen ist. Die Kosten werden vom
Arbeitsamt übernommen.
Zur Besserung unserer religiösen Situation
wird im Jahre 1975 die Stelle eines
hauptamtlichen Heimpfarrers gebildet. Dieser
soll nicht durch andere Aufgaben belastet
und abgelenkt werden, sondern sich ganz der
religiösen Betreuung der Jungen und auch der
Angestellten widmen und alle auf diesem
Gebiet möglichen Anregungen aufgreifen und
weiterleiten. Die bisher nebenher durch
einen Beauftragten wahrgenommenen Auf gaben
eines Jugendpastoralleiters, der
hauptamtlich Gruppenleiter war, haben immer
unter der Doppelbelastung gelitten. Der
Heimpfarrer muss gruppenübergreifend allen
für seelsorgliche Gespräche und Gestaltung
religiöser Veranstaltungen zur Verfügung
stehen. - Herr Pater Ziegler wird zu diesem
Zweck nach Berlin versetzt.
Nach langen Jahren konnte das Heim am
21.06.1976 wieder einmal Senats besuch
empfangen. Die Senatorin für Familie, Jugend
und Sport, Frau Ilse Reichel, wurde mit
großem Bahnhof begrüßt. Sie zeigte viel
Interesse an den geschaffenen Einrichtungen.
Dieser Besuch trug wesentlich zu einem
positiven Verhältnis zu den Behörden bei.
An besonderen Festen im Laufe eines Jahres
werden immer das Don Bosco-Fest am Sonntag,
der dem Festtag am nächsten liegt, gefeiert,
ferner der Fasching und das Sommerfest als
Hauptheimfest. Die liturgischen Festtage
werden kirchlich begangen und mit
gemeinsamen Mittagessen mit allen Jungen,
Angestellten und Mitbrüdern. - Mit den
angestellten Mitarbeitern und ihren Familien
werden zu wenigstens drei Anlässen im Jahr
gemeinsame Veranstaltungen mit gemütlichem
Zusammensein und Tanz veranstaltet. Für die
Ehemaligen ist ein offizielles Treffen am 1.
Fastensonntag mit gemeinsamen Gottesdienst,
Frühschoppen, Mittagessen, Fußballspiel um
den Pokal Ehemalige gegen Heimjungen,
Unterhaltung und Tanz. Ansonsten bekommen
alle, die ihre Adresse hinterlassen, die
Salesianischen Nachrichten mit einem Brief
des Direktors über die Ereignisse im Hause
und Einladungen zu den Festen. Viele haben
es sich angewöhnt, zu allen Ereignissen auch
mit Freundinnen oder Frauen und Kindern zu
erscheinen, so dass immer eine große Familie
zusammenkommt.
Unser Haus hat sich zum Anziehungspunkt für
viele Berliner entwickelt. Viele Pfarreien
machen wenigstens einmal im Jahr mit
Altenvereinen, Kirchenchören und dergleichen
einen Ausflug ins Don Bosco Heim; gehen gern
im Gelände spazieren, lassen die Kinder
spielen, wer den mit Kaffee und Kuchen
bewirtet und über die Arbeit informiert. Die
Schönheit des Geländes und die
Zweckmäßigkeit der Gebäude wirken anziehend.
Berlin-Besucher-Gruppen aus katholischen
Schulen haben oft einen Tag im
Don-Bosco-Heim auf ihrem Programm; manchen
konnte das Heim auch hier Quartier bieten.
Das ist die Gunst der sonst bedauernswerten
Isolationslage Berlins. - Allein im Jahre
1976 waren es etwa 65 Gruppen, die auf diese
Weise das Heim besucht haben. Die größte war
im September die Aussiedlergruppe aus Polen,
die mit 350 Personen aus Anlass des
Jubiläums von Dr. Karl Sonnenschein durch
den Diözesanrat für einen Tag im Heim
eingeladen war und einen schönen Tag
verbrachte. Durch günstiges Zusammenwirken
von Mitbrüdern, Erziehern, Meistern, Gruppen
und Werkstätten und durch freiwillige
Helfer, treue Freunde des Hauses, ist
manches möglich, das sonst undurchführbar
wäre.
Für Besuchergruppen von außerhalb Berlins
wird in der Villa Unterkunft für 40 Personen
geboten, so dass die Funktion des ganzen
Werkes dadurch eine weitere Ausweitung
erhält Die Betriebseinrichtungen mit Küche
und dergleichen sind dafür genügend aus
gestattet, und personell entsteht keine
zusätzliche Belastung. Im allgemeinen ist
die Endstufenplanung fertig gestellt, die
vor allem gruppenübergreifende
Freizeitgestaltung in den Monaten mit
ungünstiger Witterung berücksichtigt. Ein
Freizeitzentrum und eine Turnhalle wären ein
sehnlicher Wunsch für die Zukunft und würden
auch das Angebot für Besuchergruppen
erweitern.
P. Harald von Schweinitz, der seit 1954
Präfekt des Hauses war, verstarb am
25.01.1977 nach kurzer schwerer Krankheit.
Er wurde, wie auch die Mitbrüder P. Rund
1963 und P. Hey der 1969 auf dem
Waldfriedhof in Zehlendorf in der Ruhestätte
der Salesianer beigesetzt. Später ging ein
lange gehegter Wunsch der Salesianer in
Erfüllung, sie bekamen auf dem angrenzenden
Friedhof neben der Andreas-Kirche eine
Gemeinschaftsgrabstätte, wohin die drei
verstorbenen Mitbrüder umgebettet werden
konnten.
Durch verschiedene Beiträge in Funk und
Fernsehen wurde die Salesianische
Erziehungsarbeit im Berliner Don Bosco-Heim
gewürdigt und einer größeren Öffentlichkeit
vorgestellt.
Waren Auslandsreisen in den Ferien aufgrund
der beschränkten Mittel bis lang selten, so
kam es durch groß zügige Unterstützung von
Senat, Caritas und BDKJ verstärkt zu
internationalen Begegnungen und
Auslandsaufenthalten.
Nach 44jähriger rastloser,
aufopferungsvoller Tätigkeit für das Don
Bosco-Werk in Berlin starb am 30.06.1978 der
Geistliche Rat Pater August Klinski im
Dominikus-Krankenhaus in Hermsdorf. Mit
seinem Namen sind die Häuser Große Hamburger
Straße und seine Neugründungen in
Berlin-Siemensstadt, Grunewald und das Don
Bosco-Heim in Berlin-Wannsee unlösbar
verbunden. Er wurde in der
Gemeinschaftsgrabstätte der Salesianer am
Don Bosco Heim beigesetzt. Kardinal Alfred
Bengsch hielt das Requiem.
Am 17. August 1978 besuchte der neugewählte
Generalobere der Salesianer, Don Egidio
Vigano, das Haus, um wie er sagte: „den Don
Bosco von Berlin“, P. Klinski, kennen zu
lernen. Leider kam er um einige Wochen zu
spät. Da sein Besuch in die großen Ferien
fiel, konnte er nur vom verbliebenen Rest
der Hausgemeinschaft begrüßt werden.
Der „Start ins Leben“ hängt oft entscheidend
davon ab, ob man gelernt hat, für sich
selbst Verantwortung zu übernehmen. Nicht
selten fällt dabei so mancher frühere
Heimbewohner zunächst kräftig auf die Nase,
muss seine Wohnung verlassen, weil er zur
unpassenden Zeit Lärm veranstaltet, läuft
lediglich deshalb im Gammellook herum, weil
er nicht ordentlich für seine Wäsche sorgt
oder macht kräftig Schulden, weil er nie
gelernt hat, verantwortungsvoll mit Geld
umzugehen. Zwischen „drinnen“ und „draußen“
besteht eben doch ein großer Unterschied.
Im Berliner Don-Bosco-Heim der Salesianer am
Wannsee versuchte man zwar immer schon, auf
Grund dieser und ähnlicher Erfahrungen, noch
bevor die Jugendlichen entlassen wurden, das
im Verlauf der Heimerziehung Gelernte zu
erproben. Im Ablauf eines normalen
Heimalltags konnte dies aber nicht immer so
erfolgen, wie es wünschenswert gewesen wäre.
Auf der Suche nach praktikablen Lösungen kam
man Anfang 1979 zu der Überzeugung, dass man
„Übungsräume“ außerhalb des Heimes schaffen
müsste, um die Jugendlichen angemessen auf
ein selbständiges Leben vorzubereiten. Man
dachte an eine Wohngruppe, die unter der
Leitung eines verantwortlichen Erziehers für
ihre Versorgung selbst zuständig wäre.
Bei der Suche nach einer geeigneten Wohnung
für das Projekt fand man das „Haus Pius
XII.“ und „Haus Giovanni“, eine Stiftung, in
der schon der vormalige Leiter der Missione
Cattolica Italiana, der Italienermission in
Berlin, Pater Luigi Fraccari, Kinder und
Jugendliche betreut hatte. Die Stiftung
blieb erhalten und fungiert nun als Träger
der Wohngruppe. Das Don Bosco-Heim wählt aus
seinen sieben Gruppen die Jugendlichen aus,
die für den Wohnbesuch in Frage kommen und
betreut sie pädagogisch. Die finanzielle
Verwaltung geschieht durch den
Caritasverband für Berlin.
Nachdem man sich über eine Konzeption für
eine solche Außenwohngruppe Gedanken gemacht
hatte, zogen die ersten Jugendlichen - alle
samt Lehrlinge - Anfang Oktober 1979 ins
„Haus Giovanni“ ein. Jeder Bewohner besitzt
ein eigenes Zimmer; dazu kommen für die
Gemeinschaft ein Wohnzimmer, Küche mit
Vorratsraum und das Bad.
Zur festen Tradition ist inzwischen das
Priestertreffen des West-Berliner
Diözesanklerus auf dem Don Bosco-Gelände
sowohl unter Kardinal Bengsch, als auch
unter seinem Nachfolger Kardinal Meisner
geworden.
Um diese Aktivitäten effektiver ermöglichen
zu können, wurde der lange geplante Bau
einer Mehrzweckhalle in der endgültigen
Planung beschlossen. In erster Linie soll
das Freizeitangebot für die Heimjugend
erweitert werden und den
Kommunikationsbereich des katholischen
Berlins abdecken.
Erstmalig spielte das Don
Bosco-Blasorchester unter dem Dirigenten
Caspar Richter in Offenbachs Seufzerbrücke
in der Deutschen Oper Berlin unter großem
Beifall.
Ca. 400 Leute aus allen Teilen der
Bundesrepublik wohnten beim Katholikentag
zum Teil auch in Notquartieren auf
aufgestellten Zeltbetten. Unter den Gästen
befand sich auch der persönliche Gesandte
des Papstes, Opilo Kardinal Rossi.
Im Oktober wurde vom stellvertretenden
Bezirksbürgermeister Jürgen Klemann die
Zufahrtsstraße zu unserem Heim als
„Don-Bosco-Steig“ eingeweiht. Diese
Straßeneinweihung fiel mit dem Jubiläum „25
Jahre Salesianer in Wannsee“ zusammen.
Anschließend wurde in Würdigung seiner
Verdienste eine Büste in Bronze vom
Begründer des Don Bosco-Heimes P. August
Klinski eingeweiht. Sie wurde von seinem
Mitbruder P. Johannes Meyer gestaltet. Am
17.02.1980 wurde mit einem zünftigen
„Berliner Abend“ das Kommunikationszentrum
„Havelstuben“ eingeweiht. Es dient der
Begegnung unserer Heimjugend untereinander
und mit ihren Gästen und Freunden des
Hauses. Es wird von den Angestellten und
Freunden des Hauses für ihre Familienfeiern
gern genutzt.
Am 04.11.1980 starb der Mitbruder Pater
Georg Preuß, er war in den letzten Jahren
bei den Schwestern im Theresienstift
Schlachtensee als Haus geistlicher tätig.
Das 25jährige Bestehen des Don Bosco-Heimes
Berlin-Wannsee wurde mit einer umfangreichen
Fotoausstellung zum Don Bosco-Fest am 31.
Januar 1981 gewürdigt.
Am 28. November 1981 besuchte die Senatorin
für Schule, Jugend und Sport, Frau
Hanna-Renate Laurien, das Don Bosco-Heim, um
mit den Kindern und Jugendlichen zu
diskutieren. Frau Laurien kannte aus ihrer
früheren Tätigkeit die Salesianer Don Boscos
in verschiedenen Niederlassungen der
Norddeutschen Provinz.
Am 23.12.1981 starb der langjährige
Tischlermeister Kasimir Klinski.
Zum jährlich wiederkehrenden Don Bosco-Fest
am 31. Januar 1982 kommen die männlichen
Ordensleute von Berlin zu einem Treffen.
Mit der hauptamtlichen Seelsorge der in
Berlin lebenden Polen wurde im Februar 1982
der Salesianer Pater Jan Laskiewicz betraut.
Am 29.01.1982 fiel die Entscheidung für den
Bau des Schwesternhauses der Borromäerinnen.
Die Verhandlungen über den Bau führten der
Provinzial und die Provinzoberin.
Zum Heimfest am 22. August 1982 begrüßten
wir als Gast den Regieren den Bürgermeister
Richard von Weizsäcker.
Im Januar 1983 erfolgte der Einzug der
Borromäerinnen. Am 15.08.1983 wurde das
Neuerrichtete Schwesternhaus von Kardinal
Meisner eingeweiht. Beide Direktoren, der
scheidende, P. Roder, und der neue, P.
Sandmann, waren dabei. Beim Sommerfest am
14.08.1983 fand der Direktorenwechsel statt.
Der Baubeginn der Mehrzweckhalle war im
November 1983. Der Bau der Halle wurde durch
Zuwendungsmittel des Senats von Berlin, der
Diözese und des Bonifatiuswerkes und durch
Eigenleistungen der Heimwerkstätten
ermöglicht. Bis zum Jahr 2000 wurde der
Gebäudebestand auf dem Gelände um
Freizeitanlagen wie Sportplatz, Tennisplatz,
Abenteuerspielplatz, Grillplatz und zuletzt
die Reithalle ergänzt.
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